Menü

Sportlerprofil by Larasch

Wenn Individualisten gemeinsam was riskieren

Die „Langstrecken-Staffeln“ sind daher etwas Außergewöhnliches für egoistische Läuferwesen. Im Rahmen der deutschen Jugendmeisterschaften wird jedes Jahr der deutsche Meister über die 3*1000m gesucht. Eine einmalige Sache, die schon fast einen kleinen Prestigecharakter hat. Welcher Verein hat die schnellsten Läufer bzw. welcher Verein hat überhaupt drei Läufer? Da in einem solchen Wettkampf nicht nur Mittelstreckler in den einzelnen Teams zu finden sind, ist eine Vorhersage immer spekulativ. Äußerst spannend ist dann das erste Gespräch mit dem eigenen Coach über die Startreihenfolge. Welcher Läufer läuft an welcher Position? Wer wird wohl von den anderen Mannschaften an welcher Position laufen bzw. wer startet überhaupt? Da meistens mehr als drei Läufer gemeldet werden (z. B. kurzfristige Ausfälle), ist es auch bis eine Stunde vor dem Start ein großes Geheimnis. Der Mythos 3*1000m packt daher einmal im Jahr das Läuferdeutschland (von der Halle abgesehen).

Des Öfteren habe ich in den sozialen Netzwerken schon den Hashtag #nieohnemeinTeam entdeckt. In meinem Verein bin ich der einzige Läufer der bei deutschen Meisterschaften startet. Habe ich daher also kein Team? – Abgesehen von der Solistenstellung im Wettkampf, ist es schließlich für jeden Sportler wichtig, Trainingspartner zu haben. Das motiviert und belebt das Training immens. Genau dieses Thema habe ich schon während meines Trainingslagers in Südafrika thematisiert. Wenn auch mit einem kleinen Schmunzeln versuchte ich die phantastischen Läuferwesen zu definieren. Daher habe auch ich meine Trainingspartner und durch eine Startgemeinschaft sind wir sogar ein Team. Was uns Thüringer Läufer auszeichnet ist neben schnellen Beinen und Wortkargheit, sicherlich der Drang zur Ironie und seit neustem die Perfektion der Russenhocke #makerussenhockegreatagain. Daher ging es für uns am Samstag zusammen mit dem Bus nach Ulm.

In der Besetzung Kevin Stadler, Tim Stegemann und meiner Person ging es in den Callroom. Chancen auf das Podest hatten wir, jedoch waren andere Mannschaften in der Favoritenrolle – wenn es überhaupt einen Favoriten gab. Unser Coach gab uns mit auf den Weg: „Jungs ihr müsst was riskieren. Einen sechsten Platz muss keiner von euch verteidigen!”. Noch im letzten Jahr wurden wir wegen mir disqualifiziert und in diesem Jahr war ich Schlussläufer. Unsere Taktik ging zunächst gut auf. Kevin übergab an Position 1 an Tim. Der neue deutsche Hindernismeister zeigte nun, dass er auch 1000m in einem starken Feld laufen kann. Als 2tes bekam ich den Staffelstab übergeben und ging auf die letzten 1000m. Ich ging anfangs das Tempo von der LG Braunschweig mit. Eingangs der letzten Runde machten die Mittelstreckler druck und ich musste mich ein bisschen abfallen lassen. Auf den letzten 200m war ich an Position drei und versuchte unter einem guten Laktatpegel zu mobilisieren. Als mir dann auf der Zielgeraden die beiden führenden Mannschaften langsam entgegenkamen, nahm ich nochmal die Knie hoch und lief auf, auf, auf... auf Platz 2. So wurde es nochmal spannender als gedacht. Deutscher Vizemeister mit der 3*1000m – so kann eine Saison enden.